Genau. Und jetzt heben wir unser Denken noch eine Ebene höher und überlegen uns, ob dieses Paradoxon im Moment am rechten oder am linken politischen Rand zuschlägt.ewx hat geschrieben:Dann sollte er sich mal mit dem Toleranz-Paradoxon beschäftigen.
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DeathAndPain
Genau das ist falsch und ein Irrglaube. Wäre es so, dann wären Änderungen des Grundgesetzes nicht möglich. Tatsächlich aber können auch diese vom durch den Wähler legitimierten Parlament beschlossen werden, nur halt mit einer höheren Anforderung an die erforderliche Mehrheit. (Ich persönlich fände es sogar sinnvoll, wenn neben der Zweidrittelmehrheit die Zustimmung von mindestens zwei im Parlament vertretenen Parteien gefordert würde, denn solange das nicht so ist, kann eine Partei, der es jemals gelingt, eine Zweidrittelmehrheit zu erringen, aus unserem Staatssystem machen, was sie will.)Der Wählerwille hat sich trotzdem dem Grundgesetz unterzuordnen.
Bedingt. Zum einen steht die Ewigkeitsklausel in Artikel 79, und der schützt sich nicht selbst. Formal könnte man also hingehen, den Artikel 79 ändern oder streichen und anschließend dann machen, was man will. Zum anderen besteht immer der Kontrast zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie (auf dem Papier) war auch die DDR eine Demokratie. Es ist immer die Frage, was die Staatsorgane daraus machen. Solange wenigstens zwei Gewalten sich einig sind, können sie so ziemlich alles machen.Nun, die Demokratie ist nicht verhandelbar, und die Demokratie ist vorerst nicht abschaffbar, im Grundgesetz sind entsprechende Ewigkeitsklauseln vorhanden, die das verhindern.
Richtig, und zu recht. Auch in der Bundesrepublik haben wir schon drastisch den soeben angesprochenen Kontrast zwischen Theorie und Praxis gesehen. In der Coronazeit ist offenbar geworden, wie unsere Exekutive quasi auf Knopfdruck zu einem Unterdrückungsorgan wie in typischen Diktaturen werden kann, ohne dass jemand dagegen aufbegehrt. (Aufbegehrt worden ist in den Demos gegen die Corona-Maßnahmen selbst, nicht aber gegen den Missbrauch der Polizei. Zugleich hat man gesehen, wie die Polizeibeamten, die meines Wissens einen Eid auf die Verfassung geschworen haben, sich im Handumdrehen zu Schergen eines Unterdrückungssystems haben instrumentalisieren lassen. Auf der einen Seite kann man es verstehen: sie mussten mitmachen oder ihren Job verlieren und dann auf ihrem persönlichen Lebensweg vor einem Scherbenhaufen stehen. Auf der anderen Seite zeigt es aber, dass der Geist der Demokratie auch in der Polizei bei weitem nicht so tief und sicher verwurzelt ist, wie man es glauben sollte.)Es entbrennt trotzdem eine Diskussion darüber, wie stabil Demokratien sind.
Ob die Verhängung von Zöllen eine Bedrohung der Demokratie als solcher ist, möchte ich mal dahingestellt sein lassen. Das Gericht hat entschieden, dass Trump dazu nicht befugt war, also ist die Maßnahme halt wieder außer Kraft gesetzt worden. Sowas passiert in Deutschland auch ständig; das ist - leider - Tagesgeschäft. Aber ich stimme Dir zu, dass es gut wäre, wenn man die persönliche Verantwortlichkeit der Politiker für ihre Entscheidungen vergrößern würde. Im Moment ist es ja so, dass die Politiker auch ganz bewusst Entscheidungen treffen oder Gesetze verabschieden, die grundgesetzwidrig sind. Man kann es ja mal versuchen, und wenn jemand dagegen klagt und das BVG das Gesetz kassiert, dann kann man sich immer noch was Neues überlegen. In vielen Fällen ist ein Gesetz auch nur temporär von Wichtigkeit, so dass die Politiker hingehen und sagen, bis die Klagen durch die Instanzen durch sind und das BVG entschieden hat, hat das Gesetz längst seinen Zweck erfüllt.In den USA sehen wir, dass dort einige Prinzipien außer Kraft gesetzt werden. Teile der verschiedenen Gewalten sehen es mit den Gesetzen anscheinend nicht mehr so genau um ihren Präsidenten zu gefallen. Einiges davon wurde wieder zurückgenommen, wie zum Beispiel die verschiedenen Zölle.
Mir ist nicht klar, was das mit Demokratie zu tun haben soll. Die FIFA ist ein internationaler Sportverband, der auf keinen Fall an die Weisungen des US-Präsidenten gebunden ist. Dass Infantino dennoch gehorcht hat, deutet eher auf Vetternwirtschaft und Korruption hin. Ist bei Infantino aber nichts neues. Und da steht er ja auch in guter Tradition - ich erinnere an Sepp Blatter.Ein weiteres Beispiel für die Macht des Präsidenten ist die Rücknahme einer roten Karte für einen US-Spieler durch die FIFA auf dessen Druck hin.
Wir haben eine andere Mentalität als die Amerikaner (allein schon deshalb, weil in den USA massiv ein Nationalgefühl herbeigeführt wurde und wird, bis hin zu amerikanischen Fahnen in den Klassenzimmern, wohingegen wir unsere Nation de facto abgeschafft haben, so dass es ein deutsches Volk gar nicht mehr gibt, sondern nur noch eine Bevölkerung, die in den geografischen Grenzen des Staates Deutschland lebt). Deswegen würde die hiesige Bevölkerung anders auf so ein Vorgehen reagieren als die amerikanische, da hast Du recht. Hat für mich aber auch nichts mit Demokratie zu tun.In Deutschland hätte das eine heftige Diskussion und das wahrscheinliche Ende des Präsidenten zur Folge.
An dieser Stelle sind wir uns hundertprozentig einig, und das ist auch die größte Schwachstelle - um nicht zu sagen, die Sollbruchstelle - der Demokratie. Die vierte Gewalt (die Presse) ist die stärkste. Wer dem Wähler die Informationen gibt, aufgrund derer er an der Urne entscheidet, der hält letztlich die Macht in Händen.Das eigentliche Problem besteht darin, dass der Wähler ein höchst einfach zu manipulierendes Wesen ist.
Und was bekommt man dann? Das sind doch auch nur weitere linke Parteien, die am Ende die gleiche Politik machen würden wie die Altparteien. Die Piraten habe ich einst sehr spannend gefunden, weil sie kompromisslos für Freiheit und Datenschutz eingetreten sind. Allerdings waren sie damals eher eine Interessenvertretung für genau diese Ziele als eine echte Partei, weil sie überhaupt kein umfassendes Wahlprogramm gehabt haben, also außer in diesem Themenkreis überhaupt nicht festgelegt hatten, wofür sie stehen. Irgendwann haben sie dann ein vollständiges Wahlprogramm herausgebracht, und es hat sich im wesentlichen genauso gelesen wie das der Linken oder der Grünen. Eine Opposition ist was anderes.Man könnte ja dann auch Volt oder die Piraten wählen?
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deejey
DeathAndPain hat geschrieben: ↑12.07.2026 13:12Und was bekommt man dann? Das sind doch auch nur weitere linke Parteien, die am Ende die gleiche Politik machen würden wie die Altparteien. ...Man könnte ja dann auch Volt oder die Piraten wählen?
Beleg, dass sie diese Angst haben? Andernfalls: dummer Spruch statt Sachargument.Warum haben Bild, Welt und Co denn Angst von den Linken und den Grünen in der Regierung?
Du meinst die von Autokanzler Schröder mit dem sozialen Kahlschlag, der als "Agenda 2010" in die Geschichte eingegangen ist?Wo hat sich am meisten getan? Unter der Regierung SPD/Grüne.
"Destruktiv" ist für Dich demnach alles, was nicht linke Politik unterstützt. Eine interessante Einstellung. Falls Du für Dich in Anspruch nimmst, Demokrat zu sein, musst Du freilich anerkennen, dass es auch die andere, genauso legitime Meinung gibt, dass linke Politik nichts taugt.Warum hat es mit SPD/Grüne/FDP nicht funktioniert? Weil die FDP heute halt intellektuell nur minimal über der AFD einzuordnen ist, aber sich genauso destruktiv verhalten hat.
Noch ein substanzloser Spruch. Du bezeichnest die Leute der AfD als unfähig, obgleich sie bislang nie die Möglichkeit gehabt haben zu zeigen, was sie können. Derweil machen die Kartellparteien seit vielen Jahren schlechte Politik und haben Deutschland damit inzwischen an den Rand des Ruins gebracht. Ich wette, dass Du Dir noch nie die Rede eines AfD-Politikers angehört hast, sondern neben gezielt zusammengeschnittenen Fragmenten von Tagesschau & Co. lediglich das über die AfD-Politiker weißt, was andere über sie berichten.Und jetzt wollen die Wähler mit der AFD eine Partei in der Regierung die korrupter als die CDU ist und noch unfähigere Leute in die Positionen bringen wird.